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Gabenkreise Hansaviertel

Den folgenden Projektantrag habe ich im Hansaforum eingereicht:

Gabenkreise Hansaviertel 

Kurzbeschreibung

Ausgehend von den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Anwohner und den existierenden Ressourcen im Hansaviertel will dieses Projekt einen oder mehrere innovative Gabenkreise initiieren. Im Gegensatz zu dem Denken des "Haben wollens" und der "Ich brauche Geld" Philosophie, soll hier ein Bewusstsein über die vorhandenen Fähigkeiten und Ressourcen entstehen. Diese können, auch ohne über Geld zu verfügen, ausgetauscht werden.

Veranstaltungen

Vorbereitende Wissensarbeit

1. Anfang Januar 2021 - Geldgeschichte-n

Der Geldbegriff hinkt der gesellschaftlichen Entwicklung hinterher. Wir arbeiten immer noch mit einem Geldbegriff aus dem 19. Jahrhundert. In diesem Workshop geht es darum den Geldbegriff aus aktueller Sicht neu zu betrachten. Obwohl es z.B. einen fundamentalen Unterschied zwischen "Geld in und als Marktwirtschaft" und "Geld in und als Finanzwirtschaft" gibt, wird dies in der Gesellschaft mittlerweile fast gleichgesetzt. Aber auch andere Aspekte der überholten Definition des Geldbegriffs werfen immer mehr Probleme auf. 

2. Mitte Januar 2021 - Hat Zukunft Geld?

Die Frage nach der Zukunft des Geldes lässt sich solange nicht beantworten, wie es kein wirkliches Verständnis vom aktuellen Geldbegriff gibt. Erst durch die Erarbeitung eines gemeinsamen Bewusstseins was Geld in unserem Leben bedeutet und welche Auswirkungen es auf unser Leben hat, kann man sich der Frage: Hat Zukunft Geld? stellen. In diesem Workshop soll es darum gehen ein eigenes Verständnis von Geld zu erarbeiten und dies in den lokalen Bezug zum Hansaviertel zu setzen.

3. Februar 2021 - Selbstgemachtes Geld

In diesem Workshop geht es darum verschiedenste Ideen und Modelle zu erkunden, bei denen Bürger Ihr eigenes Geld erschaffen haben. An Best Practice Beispielen aus ganz Europa können wir vielfältige Einsichten über die Wirkweisen von"selbstgemachtem Geld" wahrnehmen.

4. März 2021 - Tauschring 3.0

Erfahrungsbericht aus 25 Jahren Tauschringarbeit

Themen sind: 
Wirkmechanismen der Tauschringe 1.0 und 2.0
Dimensionen des sozialen Miteinanders
Verschiedenen Ebenen der Dokumentation
           Verrechnen
           Dokumentieren
           Schenken
	 
5. April 2012 - Donakonomie

Donakonomie ist eine Kunstwortschöpfung und von dem Esperanto - Begriff für Gabenökonomie (donac-ekonomio) abgleitet. Der Begriff der Gabe ist uralt und wurde in den letzten Jahrhunderten vergessen. Da er vollkommen ohne Geld auskommt, wurde er einerseits vermeintlich nicht mehr benötigt und stand andrerseits dem immer zentralisierteren Machtanspruch vieler Gesellschaften im Wege. Vor allem im Zeitalter der industriellen Revolution war Effiziens und maschinenhafte Funktionalität das oberste Gebot. Desweiteren ist für eine geldgesteuerte Martwirtschaft Wachstum und ständig steigender Konsum unabdingbar. In diesem Workshop wollen wir erkunden, inwieweit die Wirkkraft der Gabe in der heutigen Gesellschaft trotzdem noch existiert und wie wir gemeinsam der Gabe wieder mehr Raum einräumen.

Gründungsveranstaltungen

5. Mai 2021 - 1.+2. Arbeitstreffen Agenturgründung

6. Juni 2021 - ggfs. 2.+4. Arbeitstreffen Agenturgründung

7. Anfang Juli 2021 - Kick off Veranstaltung

8. Mitte / Ende Juli 2021 - 1. Markttag

9. Mitte August 2021 - 2. Markttag

10. Mitte September 2021 - 3. Markttag

11. Mitte Oktober 2021 - 4. Markttag

12. Mitte November 2021 - 5. Markttag

13. Mitte Dezember 2021 - 6. Markttag

Projektziele

Initiierung der Kommunikationsagentur "Gabenkreise Hansaviertel"

Viertelbezogenheit !!

Das Hauptziel der Agentur ist der Aufbau vielfältiger Beziehungen. Erst die Beziehung unter den Teilnehmern machen die Gabenkreise lebendig.

Es braucht kurze Wege, damit die Teilnahme attraktiv ist

Über die Agentur Gabenkreise Hasaviertel kann jede*r Mitmacher*in ein Beziehungsnetzwerk in verschiedensten Qualitäten nutzen. Vom einfachen Ressourcen schonen ohne das ich meine gegenüber persönlich kenne, bis hin zu gemeinschaftlichen Anschaffungen oder Aktivitäten ist alles möglich.

Agentur Büro 

	Finanzierung für die Zukunft sichern

		Finanzierung durch Umsatzgebühr

		Mitgliedsbeiträge

		Kommunale Mittel

		Fördertöpfe nutzen

		Crowdfunding

		Räumlichkeiten finden 

	Coaching für Teilnehmer

	Markttage organisieren

Marktplatz 

	Digital / Reale Begegnung

	Bedürfnisse äussern / Fahigkeiten nachfragen

	Talente anbieten / Wertschätzung erfahren

	Gegenstände leihen, teilen, wiederverwenden

	Ressourcen nachhaltig nutzen

	Überschüsse (z.B. Lebensmittel) fairteilen

Softwarelösung Marktplatz
Zum Einsatz kann die Software Cyclos der niederlädischen   Stiftung Stroh kommen. Diese Software wird seit mehr 10 Jahren international erfolgreich verwendet. Viele deutsche Tauschringe verwenden Sie. Unter anderem der Münsteraner Tauschring LoWi e.V.

	Kleinanzeigenmarkt ähnlich Ebay

	Suchagent

	Onlineabwicklung von Aktivitäten

	Marktzeitung zum ausdrucken

	Handyapp

Stellungnahme der Kommune

Das Sozialamt und das Jobcenter stellen verbindlich eine bestimmte Stundenzahl im Monat anrechnungsfrei

Stellungnahme des Finanzamtes

Anerkennung der Talente seitens des Finanzamtes

	
Material / Technik

	Werbung - Flyer / Plakate
	Cylos Software




Hintergrundinformationen für die hohen Gutachterkosten

Auf den ersten Blick erscheinen die Gutachterkosten im Verhältnis zu den Gesamtprojektkosten sehr hoch. Sie machen mehr als 50 % des Gesamtbetrages aus.

Ich möchte hier einige Hintergrundinformationen liefern, warum die Kosten so hoch sind und warum es dennoch wesentlich ist diese Kosten zu bewilligen.

Die Tauschringbewegung (aus dessen Erforschung diese Projektidee entstanden ist) ist seit Ihren Anfängen ca. 1996 daran gescheitert Ihren innovativen Ansatz in das bestehende Rechts,- und Steuersystem zu integrieren. 

Der Tatbestand der selbstorganisierten Verrechnung auf Bürgerebene ist im deutschen Recht und dem aktuellen Geldbegriff eigentlich nicht fassbar. Die bisher entwickelten Regeln und Gesetze benötigen einen Zahlungsvorgang der abgeschlossen ist. In dem Moment der Zahlung kann man eine Größenordnung für die staatlichen Gebühren und Steuern erheben. Nun gibt es bei der Verrechnung – die ja nie abgeschlossen ist und eigentlich nur gegenseitige Leistungen dokumentiert – keinen Zahlungsvorgang. Denn wenn ich eine Leistung liefere, bekomme ich ja nichts außer eine Information. Ich habe geliefert. Dies ist keine Bezahlung und kann damit steuerrechtlich nicht erfasst werden. Bekomme ich nun irgendwann eine Gegengabe, geschieht wieder keine Bezahlvorgang und vor allem die vorher dokumentierte Leistung ist ausgeglichen. Also Null. Null mal x % Steuern bleibt Null.

Die bisherige Stellungnahme der Bundesregierung betrachtet die Verrechnung einerseits unter dem Aspekt des Nebengeldbegriffs (Nebengeld ist in Deutschland verboten) andrerseits unter dem Aspekt des Direkttausches. Beides trifft auf eine Gaben basierte Verrechnung nicht zu. Da es sich nicht um einen Tausch handelt und auch nicht um einen mit Geld bezahlten Kauf fällt es sozusagen durch unser Raster. 

Siehe dazu:https://tauschwiki.de/wiki/Kleine_Anfrage_im_Bundestag_1997

Durch die vorgestellte Thematik kommt es nun zu folgenden Situation: Da der Tatbestand der Verrechnung bisher rechtlich nicht eindeutig erfasst werden kann, wird bisher alles was in einem Gabenkreis geschieht entweder als Direkttausch behandelt oder als Nebengeld. 

Wird es als Nebengeld gesehen, besteht durch die ungeklärte rechtliche Situation stets die latente Gefahr des Verbots. Wird es als Handel mit Geldwerten Gütern gesehen, fallen Steuern in € an. Damit wird die innovative Kraft der Idee zumindest stark behindert. 

Denn in einem Gabenkreis kann ich Ressourcen umnutzen und Aktivitäten austauschen ohne über Geld zu verfügen. Wird jedoch eine relevante Größe erreicht, werden die Aktivitäten besteuert und die Steuern werden in € fällig. Für das Finanzamt sind Verrechnungseinheiten eine Auslandswährung, deren Wert in Euro umgerechnet wird.

In dem Gutachten soll es dann genau auch um diesen Punkt gehen. Wie muss ein Gabenkreis konstituiert sein, damit die ggfs. anfallenden Steuern eben nicht in Geld, sondern in der benutzten Verrechnungseinheit beglichen werden. Das Gutachten soll die rechtliche Situation untersuchen und nach Möglichkeit einen rechtsicheren  Weg aufzeigen. Hier sprechen wir ausdrücklich nur von Kommunalen Steuern, da die Verrechnungseinheit auch nur in der Kommune wirken kann.


Dies könnte in erheblichem Maße dazu beitragen die auf uns zukommenden Finanznöte der Kommune abzufedern. 

Aufgrund der andere Rechtssituation ist in der Gemeinde Vorarlberg in Österreich seit einigen Jahren die Begleichung kommunaler Steuern möglich. 

Es gibt dort Geschäfte in denen Sie mit Vorarlberger Talenten einkaufen können. Die modernen Registrierkassen können dies abwickeln.

Der Visionär hinter dem Projekt in Vorarlberg soll zum dritten Workshop „Selbstgemachtes Geld" als Referent eingeladen werden. 

Man könnte jetzt sagen, OK, Warum schließen sich dann nicht die vorhandenen Initiativen (Tauschringe, Zeitbanken,etc.) zusammen und teilen sich diese Kosten.

Nun aus den oben beschriebenen Gründen gibt es fast keine Projekte die so erfolgreich sind als das Sie wirklich Geld dafür ausgeben könnten. Außerdem sind die meisten Initiativen eher als Nachbarschaftshilfen aufgestellt (meistens zwischen 30 und 70 Menschen)  und es gibt keinerlei übergeordnete Organisation, die überhaupt einen Aufruf verbreiten könnte.
Im Umkehrschluss könnte allerdings durch dies hier investierte Geld ein Präzedenzfall geschaffen werden, der vielen Initiativen in Deutschland enormen Rückenwind geben kann.